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Die Flucht unserer Jungs

Die verschiedenen Fluchtgeschichten unserer Jugendlichen sind mitunter kaum zu ertragen. Ein 17- jähriger Afrikaner, den wir seit sieben Monaten betreuen, hat uns geben, über seine Flucht zu berichten:

Ich bin ein unbegleiteter Minderjähriger Flüchtling und wohne momentan in der t&h werkstatt: jugend GmbH beim betreuten Jugendwohnen. Vorher wohnte ich in Somalia in der Hauptstadt Mogadischu, doch dort konnte ich nicht mehr bleiben, da mein Leben nicht mehr sicher war.
Meine Flucht ging über Kenia, Sudan, Lybien, über das Mittelmeer, nach Italien, Österreich bis ich endlich Deutschland erreichte.
Eines Abends komme ich nach Hause von meinem Praktikum bei einem Radiosender. An der Haustür hang eine Nachricht, dass wenn ich mein Praktikum als Journalist nicht beende, ich getötet werde. Ich denke diese Nachricht kam höchstwahrscheinlich von „al Shabaab“. Diese Warnung habe ich nicht wahrgenommen. Eines Tages kamen Leute zu mir nach Hause, ich glaube auch von „al Shabaab“, die mich und meine Mutter misshandelt haben. Ich wurde von den Leuten mitgenommen. Wohin wusste ich nicht, da mir die Augen verbunden wurden. Sie brachten mich in eine große Halle, dort war es dunkel. Es wurden immer wieder Leute aus der Halle genommen und daraufhin hingerichtet. Ich hatte große Angst. Irgendwann holten sie mich auch aus der Halle. Sie machten mir ein Angebot. Entweder ich arbeite als Journalist für „al Shabaab“ oder ich werde getötet. Natürlich nahm ich das Angebot an. Sie brachten mich zu einem Mann, dort hielt ich mich einige Tage auf, bis ich die Flucht ergreifen konnte. Von dort aus bin ich auf ein Fahrzeug gestiegen ohne dass die Fahrer davon wussten. Irgendwann entdeckten sie mich. Sie halfen mir dabei, nach Kenia zu gelangen. Von dort aus gelang ich in den Kongo und dann in den Sudan, zu Fuß lief ich viele Kilometer und benutzte auch den Zug. Unterwegs begegnete ich vielen Gefahren, böse Menschen oder Löwen die einen angreifen wollten. Zu essen gab es nicht viel, schmutziges Wasser musste ich trinken, von dem ich auch erkrankte. Im Sudan erfuhr ich viel Gewalt, sah wie Menschen hingerichtet wurden. Nach dem Sudan ging ich nach Lybien, was auch eine sehr schlechte Erfahrung für mich war. Ich musste mich oft verstecken, da ich Angst hatte gefasst zu werden. Und ich wurde auch gefasst und von Menschen gefangen genommen. Es gab kaum etwas zum Essen oder zum Trinken. Es stank fürchterlich, Toiletten und Wasser zum Waschen gab es nicht. Manche Menschen die mit mir gefangen waren, überlebten diese Umstände nicht. Mitgefangene die kein Lösegeld erbrachten wurden getötet. Dort hielt ich mich längere Zeit auf, bis meine Mutter von allen Nachbarn und Verwandten in meiner Heimat Geld sammelte und es den Leuten geben konnte. Von dort aus ging es auf ein Schiff, dass Italien ansteuerte und vollkommen überfüllt war. Die meiste Zeit auf der Überfahrt schloss ich meine Augen, hatte Todesangst, betete zu Allah, dass ich es lebend schaffe. Ich schaffte es, von Italien aus war es nicht mehr so schwer nach Deutschland zu kommen. Nun bin ich froh darüber, in Deutschland zu sein und dass mir geholfen wird, doch ich vermisse meine Familie sehr.

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Krisenfall:

JaNein

Betreuungsart:

stationärambulant


Empfehlung(en) bisher:

janein

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